Warum sich Kapitalanleger den NRW-Immobilienmarkt jetzt genauer ansehen sollten

Mieten steigen, der Neubau fällt zurück und in mehreren Teilmärkten ziehen die Preise wieder an. Für Anleger ist Abwarten längst keine risikolose Strategie mehr.

Warten ist keine neutrale Position

Immobilienmärkte läuten nicht, wenn die Talsohle erreicht ist. Viele Kapitalanleger warten seit zwei Jahren auf eine seltene Kombination: niedrigere Kaufpreise, deutlich günstigere Kredite und vollständige Planungssicherheit. Doch in Nordrhein-Westfalen entwickelt sich der Markt bereits in eine andere Richtung. Nach aktuellen Zahlen des Immobilienverbands Deutschland (IVD), über die unter anderem der WDR berichtet hat, sind die Mieten in Nordrhein-Westfalen innerhalb eines Jahres, je nach Region, um 2 bis 6 Prozent gestiegen.

Auch die Kaufpreise ziehen vielerorts wieder an. Sie haben sich nach der Zinskorrektur stabilisiert und Objekte werden wieder schneller vermarktet. Wer weiter wartet, trifft deshalb keine risikolose Entscheidung. Er wettet darauf, dass Finanzierungskosten sinken, ohne dass die wiederkehrende Nachfrage die Kaufpreise vorher nach oben zieht.

Der NRW-Durchschnitt verdeckt die Preiswende

Landesweite Mittelwerte erzählen dabei nur die halbe Geschichte. 2024 stiegen die Angebotspreise für Eigentumswohnungen in NRW zwar lediglich um 1,2 Prozent; regional zeigen sich jedoch deutlich stärkere Bewegungen.In Dortmund verteuerten sich bestehende Eigentumswohnungen 2025 stadtweit um rund fünf Prozent. Neubauwohnungen lagen im Durchschnitt bei etwa 4.550 Euro je Quadratmeter und damit über dem Niveau der beiden Vorjahre. In Düsseldorf stiegen die Preise von Renditeobjekten, darunter Mehrfamilienhäuser, im Jahresverlauf um 3,5 Prozent. Das ist noch kein neuer Boom. Es zeigt aber, dass die Erholung selektiv längst begonnen hat – besonders dort, wo ein tragfähiger Mietmarkt auf noch vergleichsweise moderate Einstiegspreise trifft.

Knappheit bleibt der verlässlichste Preistreiber

Der stärkste Rückenwind kommt nicht aus Spekulation, sondern aus einem knappen Angebot. 2025 wurden in NRW nur 37.185 Wohnungen fertiggestellt – 9,4 Prozent weniger als im Vorjahr und so wenige wie seit 2011 nicht mehr. Gleichzeitig bleibt Rhein-Ruhr ein eng verflochtener Wohn- und Arbeitsraum mit Millionen Mietern in Köln, Düsseldorf, Essen, Bochum und Dortmund. Zwar sank die Bevölkerung des Landes 2025 leicht, der Wanderungssaldo blieb jedoch positiv.Für Anleger ist die lokale Ebene entscheidend: Hochschulen, Arbeitsplätze, ÖPNV-Anbindung, Haushaltsentwicklung und Neubauaktivität bestimmen die Nachfrage stärker als die Statistik für das gesamte Bundesland. Wohnraumknappheit ist kein Freifahrtschein - aber sie schafft Preissetzungsmacht bei gut positionierten Wohnungen.

Der perfekte Zins könnte teuer werden

Auch die Finanzierung spricht gegen blindes Abwarten. Im Mai 2026 lagen die Effektivzinsen für besicherte Wohnungsbaukredite mit fünf- bis zehnjähriger Zinsbindung im Durchschnitt bei 3,69 Prozent; Kredite mit mehr als zehn Jahren Zinsbindung lagen bei 3,83 Prozent. Das ist weit entfernt von der Nullzinswelt, aber wieder ein kalkulierbares Niveau. Die entscheidende Asymmetrie: Fallen die Zinsen deutlich, dürfte zusätzliche Nachfrage an den Kaufmarkt zurückkehren und Preise stützen. Bleiben sie auf dem heutigen Niveau, entsteht durch Warten kein Finanzierungsvorteil. Steigen sie, verschlechtert sich die Rechnung. Wer auf den perfekten Zins wartet, spekuliert somit gleichzeitig auf günstigeres Geld und unveränderte Immobilienpreise.

Neubau bietet Kapitalanlegern mehrere Hebel

Für Kapitalanleger können energieeffiziente Neubauten deshalb besonders interessant sein. Sie reduzieren kurzfristige Sanierungsrisiken, sind bei Nebenkosten häufig besser kalkulierbar und vermeiden einen Teil des regulatorischen Risikos energetisch schwacher Bestände. Hinzu kommen Finanzierungs- und Steuervorteile: Das KfW-Programm „Klimafreundlicher Neubau“ ermöglicht – abhängig vom Standard und von verfügbaren Bundesmitteln – Förderkredite von bis zu 150.000 Euro je Wohneinheit. Für begünstigte neue Wohngebäude kann zudem eine degressive Abschreibung von fünf Prozent auf den jeweiligen Restwert genutzt werden. Unter zusätzlichen Voraussetzungen erlaubt § 7b EStG eine Sonderabschreibung von bis zu fünf Prozent jährlich im Anschaffungs- beziehungsweise Herstellungsjahr und in den drei Folgejahren. Steuern machen ein schlechtes Objekt nicht gut. Bei einem guten Objekt können sie jedoch Liquidität und Eigenkapitalrendite spürbar verbessern.

Für Eigennutzer gilt eine andere Rechnung – und für Anleger zählt jedes Detail

Die gleiche Logik lässt sich nicht auf den Kauf zur Eigennutzung übertragen. Eigennutzer erhalten keine Mieteinnahmen, können vermietungsbezogene Abschreibungen und Finanzierungszinsen grundsätzlich nicht steuerlich geltend machen und müssen den Kapitaldienst vollständig aus ihrem Nettoeinkommen tragen. Der Kapitalanleger kann dagegen Mieteinnahmen, steuerlich abzugsfähige Aufwendungen und langfristigen Vermögensaufbau kombinieren; die Tilgung selbst bleibt allerdings auch bei ihm nicht abzugsfähig. Entscheidend ist daher nicht die Schlagzeile, sondern die Objektprüfung: realistische Kaltmiete, Kaufpreis je Quadratmeter, nicht umlagefähiges Hausgeld, Mikrostandort, Wohnungsgröße, Bauträgerbonität, energetischer Standard, Förderfähigkeit, Liquiditätsreserve und Wiederverkaufbarkeit.

Die Schlussfolgerung lautet nicht „jetzt um jeden Preis kaufen“. Sie lautet: Jetzt genauer rechnen. Denn in einem Markt mit steigenden Mieten, schwachem Neubau und regional bereits anziehenden Preisen ist Abwarten keineswegs kostenlos.

Franziska Riedl

Investmentberaterin

X Capital GmbH

Mit einem fundierten Hintergrund aus Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftspsychologie bringe ich seit über einem Jahrzehnt tiefes Verständnis für Menschen, Verhalten und Entscheidungsprozesse in den Versicherungsvertrieb ein - dort, wo Vertrauen, Klarheit und Beziehungskompetenz entscheidend sind.

Mein Masterstudium der Wirtschaftspsychologie mit Schwerpunkt Personalentwicklung prägte mein wirkungsorientiertes Trainingsverständnis: Es geht mir nicht nur um Wissensvermittlung, sondern um echtes Erleben.

2016 übernahm ich erstmals Führungsverantwortung und unterstützte junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf ihren ersten Schritten.

Als Dozentin für Psychologie und Verhaltensökonomie vertiefte ich 2019 meine Expertise. Behavioral Finance, Verlustaversionen und Verhaltensanomalien prägen meinen Ansatz ebenso wie die Überzeugung, dass erfolgreiche Beratung immer im Kopf – und mit einem Gefühl – beginnt.

Heute vermittle ich als Sales Trainerin Wissen, fördere Menschen in ihrer Entwicklung und bereite angehende Finanzanlagenfachleute auf ihre Prüfung vor. Vor vielen Jahren bereits erweiterte ich mein Profil um die Kapitalanlageimmobilie – als konsequente Ergänzung meines Anspruchs an ganzheitliche Vorsorgekonzepte.

Aus voller Überzeugung helfe ich heute gemeinsam mit X Capital Menschen dabei, Immobilien als strategischen Baustein der Altersvorsorge gezielt, steuerlich sinnvoll und mit langfristigem Mehrwert einzusetzen.

Ob als Trainerin, Mentorin oder Impulsgeberin: Ich bewege Menschen. Mit Herz, Struktur und echter Begeisterung.